Umgang mit Krisen

Traumatische Krisen

In der Regel haben wir es in der psychosozialen Notfallversorgung mit traumatisierenden Krisen zu tun. Eine Krise steht meist im Zusammenhang mit dem Tod, zum Beispiel durch den Verlust einer nahe stehenden Bezugsperson. Allerdings können auch Personen, welche als Augenzeugen an einem traumatischen Ereignis teilgenommen haben, betroffen sein.

Die andere Personengruppe sind Menschen, welche selbst in einen Unfall involviert waren oder sich in Lebensgefahr befanden.

Klassische Krisen

Oft werden wir auch mit klassischen Krisen konfrontiert wie sie beispielsweise in psychiatrischen Notaufnahmen vorkommen.

Das bedeutet nicht, dass diese Personen psychisch krank sind, viel mehr sind sie überfordert mit der aktuellen Gesamtsituation ihres Lebens. Dies kann sich auch in Suizidgedanken oder sogar -androhungen äußern. Diese Krisen können sich oft direkt nach traumatisierenden Ereignissen ergeben.

Soziale Krisen

Wir werden selten zu sozialen Krisen gerufen, von denen in der Regel Personen mit existenziellen Konflikten betroffen sind. Allerdings können sich auch solche Krisen nach einem traumatisierenden Ereignis entwickeln.

Interventionsmöglichkeiten

Krisenintervention und Notfallseelsorge erfolgt stets in drei Teilschritten. Die Zeitdauer der einzelnen Schritte ist immer individuell unterschiedlich sowie die konkreten Techniken.

1. Bindung herstellen

Die PSNV-Kraft stellt sich den Betroffenen vor und lässt sich die Geschehnisse berichten. Diese Phase ist mit die wichtigste, erhält hier der Betroffene keinen positiven Eindruck, ist eine weitere Intervention kaum möglich.

2. Explorieren

Hierbei unterstützt die PSNV-Kraft beim strukturierten Erzählen des Geschehenen.

3, Intervention

Die PSNV Kraft bereitet den Betroffenen auf die bevorstehenden Schritte vor und begleitet bis hin zur Verabschiedung.

Basismodell der Krisenintervention

Das Basismodell enthält die zentralen Phasen der Betreuung:

1.Informationen einholen

Vor jeden Betreuungsbeginn sollten ausreichend Informationen eingeholt werden, die für die Betreuung notwendig sind, welche sich natürlich stets nach den bestehenden Möglichkeiten richtet. Leitstelle und Rettungskräfte liefern wichtige Informationen wie zum Beispiel wo sich der Verstorbene befindet, über seinen Zustand etc.

Es werden Informationen über den Verwandtschaftsgrad eingeholt, sowie weitere wichtige Informationen.

2. Bindung herstellen

a.)    Vertrauen aufbauen

Der erste richtige Schritt besteht darin, ein Vertrauensverhältnis aufbauen, welches die Grundlage für eine Betreuung darstellt.

Wir stellen uns vor und vermitteln dem / der zu Betreuenden , dass wir Zeit für ihn / sie haben, dass wir vorerst bei dem / der Betroffenen bleibt und ihn / sie nicht alleine lässt.

b.)    Wegführen vom belastenden Inhalt

Manchmal ist es wichtig den belastenden Inhalt zunächst zu vermeiden, dass heißt, dass man mit dem Gespräch einen anderen Einstieg findet als das Ereignis. Als Beispiel bittet man die Person den Raum zu wechseln oder lässt sie eine Routinetätigkeit durchführen (Glas Wasser bringen).

Diese Maßnahme ist geeignet um die Situation des „überwältigt sein“ zu unterbrechen.

Solche Maßnahmen sind aber immer sehr behutsam durchzuführen und werden in der Regel nur von erfahrenen PSNV-Kräften durchgeführt.

c.)     Erzählen fördern

Das sprechen über das Erlebte in der Akutsituation kann hilfreich sein, eine Voraussetzung ist, dass der Betroffene dies auch möchte. Sollte der Betroffene dies nicht wollen, eignen sich Maßnahmen wie im Punkt b.) genannt.

Durch das Sprechen über das Erlebte verändern die Betroffenen die Sichtweise, sie wechseln in die Position des Erzählers und können so Schrittweise ihre Gefühle kontrollieren und wahrnehmen.

Oft erzählen die Betroffenen diese Geschichte mehrmals, dies wird von diesen als entlastend wahrgenommen. Mit Detailfragen sollte man vorsichtig sein.

d.)    Abwehr respektieren

Oft schwanken die Betroffenen zwischen Abwehr und Überwältigung. Abwehrreaktionen sind häufig damit verbunden, den Wunsch zu haben, sich nicht mit der Situationen auseinander zu setzen. Entgegengesetzt dazu steht das Überwältigtsein von der Situation.

Hier ist es wichtig sich nicht aufzudrängen, sondern den Betroffenen Zeit zu geben und sie ggf. nur langsam mit der Situation zu konfrontieren.

e.)    Dableiben

Sich aufzudrängen ist ein schwerer Fehler in der Krisenintervention. Genauso schwierig ist es sich frühzeitig zurückzuziehen. Es gilt herauszufinden ob es jetzt wirklich gut ist zu gehen, oft äußern die Betroffenen sehr schnell, dass es ihnen unter der Betreuung gut geht. Die Angebote sind immer individuell und genauso ist es mit der Entscheidung die Krisenintervention / Notfallseelsorge zu beenden.

3. Abschätzen der Handlungsfähigkeit

Das Wiederherstellen der Handlungsfähigkeit ist einer der wichtigsten Schritte der Krisenintervention und Notfallseelsorge. Dabei kommt es darauf an, die eigenen Ressourcen des Betroffenen zu fördern und diesen alles alleine tun zu lassen was er kann. Ziel ist es schließlich die Selbständigkeit zu fördern und zu erhalten. Hierbei muss herausgefunden werden, was die Bedürfnisse des Betroffenen sind.

Sehr häufig ist das Bedürfnis sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Die Entscheidung, ob eine Verabschiedung durchgeführt wird, liegt stes bei den Angehörigen, allerdings sollte diese nach Möglichkeit immer durchgeführt werden, da das Verabschieden ein wichtiger Schritt zu Trauerbewältigung ist.

4. Struktur geben

Ebenfalls eine der  wichtigsten Schritte der Krisenintervention und Notfallseelsorge ist es, Struktur zu geben. Die betroffenen Personen sind meistens zum ersten Mal in solch einer Ausnahmesituation und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Hier sollte durch die PSNV-Kraft  zum einen Sicherheit, zum anderen das Gefühl, die Situation gemeinsam zu meistern, vermittelt werden.

Strukturschaffung

a.)    Notwendige Handlungsschritte begleiten und erklären

Hier werden alle formellen Schritte dem Betroffenen erklärt: Todesbescheinigungen, Bestattungsinstitut, Sonderfälle, wie nicht natürlicher Tod.

b.)    Strukturiertes Erzählen fördern

Oft erzählen die Betroffenen vieles durcheinander. Durch gezieltes Nachfragen kann man Struktur ins Erzählen bringen. Ziel ist es, eine vollständige Geschichte zu erhalten.

c.)     Positive Bewältigung fördern

Etwas, was die Betroffenen als positiv empfinden, ist auch stets positiv, selbst wenn das subjektive Empfinden der PSNV-Kraft etwas anderes sagt. Ziel ist es, diese positiven Empfindungen zu fördern.

d.)    Vorausplanen

Die PSNV-Kraft sollte die Situation immer im Auge haben, dies schafft die Möglichkeit, frühzeitig Veränderungen wahrzunehmen und ggf. einzugreifen.

 5. Informieren

Neben der Strukturierung ist das Informieren eine wesentlich Aufgabe der Krisenintervention und Notfallseelsorge. Informieren bedeutet, den Personen nichts vorzuenthalten, die Betroffenen merken es und nehmen dies eher negativ war, wenn sie nicht die Wahrheit erfahren. Außerdem heißt informieren auch, den Betroffenen ihre eigenen Reaktionen zu erklären, sofern diese ihnen befremdlich vorkommen.

6. Sicherstellen von Auffangnetzen

Krisenintervention und Notfallseelsorge ist Hilfe zur Selbsthilfe und keine Therapie. Unsere Aufgabe ist es nicht, langfristige Probleme oder Störungen zu beseitigen. Unser Ziel ist es, den Betroffenen perspektivisch Bewältigungsstrategien mit auf den Weg zu geben. Außerdem sollte in einigen Fällen eine weiterführende Betreuung sichergestellt sowie Angebote gemacht werden, wo Betroffene sich hinwenden können.

 

 

 

 

Spendenkonto

Krisenintervention und Notfallseelsorge Dresden e.V.

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