Neue Adresse

Aufgrund von Renovierungs- und Umbaumaßnahmen auf der Louisenstraße ist unser Verein für die nächsten 3 Jahre umgezogen. Die neue Adresse lautet:

Krisenintervention & Notfallseelsorge Dresden e.V.
c/o Brand- und Katastrophenschutzamt Dresden
Scharfenberger Str. 47
01139 Dresden

Unsere neuen Vereinsflyer sind da!

Frisch aus dem Druck!

dsc_0031

Unsere neuen Vereinsflyer sind seit dieser Woche endlich da.

Ab morgen finden sie den Weg in die Einsatzmappen unserer Mitglieder.

14690980_1163390030382055_6487619912748220752_n

Hier findet ihr unseren Flyer zum Download.

Besucht uns zur FLORIAN 2016!

Vom 06. bis 08.10. findet in Dresden die FLORIAN 2016 statt, eine Fachmesse für Feuerwehr, Brand- und Katastrophenschutz. Auch wir werden mit einem Stand auf der Messe vertreten sein. Ihr findet uns täglich von 09:00 bis 17:00 Uhr in der Halle 3 am Stand C14.
Außerdem wird es am Freitag, den 07.10. von 15:30 bis 16:30 Uhr, einen Vortrag im Saal „Rotterdam“ (Halle 3) geben, in welchem wir über den Umgang mit Betroffenen im Einsatz berichten wollen.
Weitere Infos zur Messe findet ihr unter www.messe-florian.de sowie auf Facebook unter https://www.facebook.com/feuerwehrmesseflorian.

Das Fachprogramm der FLORIAN 2016 könnt ihr euch hier ansehen: fachprogramm-dd-florian-2016

Wir freuen uns auf euren Besuch!

Reportage „Angst vor dem Terror“

Am heutigen Tag strahlt die ARD eine 45min Reportage zur Thematik „Angst vor dem Terror“ aus. In der Reportage wird auch die Perspektive der Betroffenen durch Terrorismus dargelegt. Hierzu wurden unter anderem eine Betroffene aus Dresden sowie unser Vorsitzender interviewt, welcher diese betreute.

Wir danken dem Team von Beckround TV für die hervorragende Zusammenarbeit und freuen uns, dass wir nach all den negativen Erlebnissen zuletzt auch positive Erfahrung mit der Presse machen konnten.

Die komplette Reportage ist hier abrufbar: https://daserste.ndr.de/beckmann/videos/Beckmann-Angst-vor-dem-Terror-Wie-gefaehrdet-ist-Deutschland,beckmann1020.html

Der Wunsch einer Mutter

Vor etwa 1 Jahr betreute unser Verein eine Familie, dessen 13jähriger Sohn bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Heute hat sich die Mutter per E Mail an uns gewand, mit der Bitte, an einer Unterschriftensammlung teilzunehmen.

Sie schrieb dazu:

„Im Moment klammere ich mich an einen kleinen Strohhalm. Seine letzte größere Aktion war eine Unterschriftenaktion gegen den Einsatz von Bienengiften. Er hat damals mit seinem besten Freund Unterschriften im Alaunpark gesammelt. Nun sollen Neonikotinoide (Bienengift) wieder zugelassen werden und es gibt bei campact eine Unterschriftenaktion dagegen.“

Dieser Bitte kommen wir natürlich nach und mit ihrem Einverständnis veröffentlichen wir dies im Internet. Fleißiges Teilen erwünscht:

https://www.campact.de/Bienenkiller

Notfallpädagogisches Fachsymposium

Am 14.03.2016 wurde durch den Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. das Notfallpädagogische Fachsymposium in Aue veranstaltet. Über 400 Teilnehmer versammelten sich am Montagmorgen im Kulturhaus Aue, um sich einen Tag lang damit zu befassen, wie Kinder in der Auseinandersetzung mit Notfallsituationen unterstützt werden können. Im Fokus stand dabei die Vorbereitung von Kindern auf Erfahrungen mit Sterben und Tod sowie deren Begleitung im Erleben von Notfällen und die anschließende Bewältigung.

Willkommen-Aue

Da auch wir als Verein für Krisenintervention und Notfallseelsorge mit Einsätzen konfrontiert sind, in denen wir Kinder u.a. während und nach Notfallereignissen oder bei der Überbringung von Todesnachrichten begleiten, versprach das Notfallpädagogische Fachsymposium auch für uns viele spannende und lehrreiche Inhalte. So machten sich insgesamt 6 unserer Mitglieder auf den Weg nach Aue.

Mit Prof. Dr. Harald Karutz, Diplom-Pädagoge und Leiter des Notfallpädagogischen Instituts in Essen sowie mit Peter Zehentner, Dipl.-Sozialpädagoge und Leiter des KIT München, hatten die Johanniter gleich zwei Größen auf diesem Fachgebiet angeheuert, welche sich abwechselnd mit verschiedenen Vorträgen die Ehre gaben.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Karutz mit einem Vortrag zum kindlichen Erleben von Notfallsituationen. Wie ein Kind mit einem Notfall umgehe, hänge mehr vom subjektiven Erleben des Kindes und den Begleitumständen (z.B. ist das Kind alleine oder betreut) ab, weniger dagegen von der objektiven Schwere des Notfalls. Für Kinder seien viele Erfahrungen neu und daher intensiver, sie würden keine vergleichbaren Vorerfahrungen haben, auf welche sie zurückgreifen könnten. Daher sei es laut Prof. Dr. Karutz wichtig, Kinder zu begleiten und über das, was gerade passiert, zu informieren, sie ernst zu nehmen und Fragen ehrlich zu beantworten. Neben weiteren möglichen Interventionen wies er auch auf die Unterstützung der Eltern hin.

Notfallpädagogik

Anschließend berichtete Peter Zehentner über das Überbringen von Todesnachrichten an Kinder. Besonders in Erinnerung dürfte den Teilnehmern hierbei das vorgestellte Praxisbeispiel sein. Wie reagiert ein Kind auf die Nachricht, dass ein Elternteil verstorben ist? Peter Zehentner ließ die Anwesenden teilhaben und hören und erklärte so Stück für Stück, worauf zu achten sei. Dazu zähle vor allem eine gute Vorbereitung im Vorfeld, auch habe ein Kind das Recht, über die Umstände des Todes informiert zu werden und eigene Fragen zu stellen. Zehentner nutze in seinen Vorträgen vor allem Bilder und Vergleiche, um seine Botschaften zu transportieren. So dürfe man beispielsweise bei der Übermittlung von Todesnachrichten an Kinder keinen „Sprechdurchfall“ erleiden, vielmehr solle man pro Frage eine Antwort geben und auf weitere -ungefragte- Ausführungen verzichten, da diese das Kind möglicherweise überfordern könnten.

Zum Umgang mit Kindern bei Einsätzen des Rettungsdienstes sprach erneut Prof. Dr. Karutz, der selbst über 15 Jahre im Rettungsdienst aktiv war, mit einer Mischung aus eigenen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. In seiner Umfrage mit unfallbeteiligten Kindern fand er heraus, dass sich die Mehrheit der Kinder neugierig zeigt und eher dazu neigt, bei einem Unfall zu- statt wegzuschauen. Etwa 66% äußerten sich verärgert über untätige Erwachsene am Unfallort und 75% empfanden das Eintreffen des Rettungsdienstes als entlastend. Sind Kinder selbst Patienten, so solle man die Eltern nach Möglichkeit in die medizinischen Maßnahmen einbeziehen. Dies gelte auch im Falle einer Reanimation, wobei Eltern idealerweise regelmäßig über den Zustand ihres Kindes informiert und in der Ausführung einfacher Aufgaben (z.B. Infusion oder Hand des Kindes halten) bestärkt werden sollten. Den Eltern beispielsweise ebenso klar und deutlich mitzuteilen: „Im Augenblick schlägt das Herz Ihres Kindes nicht.“, sei wichtig für deren Realitätsprüfung, so Prof. Dr. Karutz.

Anschließend meldete sich wieder Peter Zehentner mit seinem Vortrag zum Umgang mit Kindern nach Notfällen bzw. Todesfällen in Kitas und Schulen zu Wort und stellte den Teilnehmern am Beispiel des Todes einer Schülerin vor, wie ein mögliches Vorgehen aussehen könnte. Man solle sich die Eltern zu „informierten Verbündeten“ machen, anstatt diese auszuschließen und zu „freien Radikalen“ zu erziehen, erklärte Zehentner. Ebenso einprägsam die Worte: „Was man selbst nicht hat, kann man auch nicht geben.“. Nur wer selbst Struktur, Orientierung und Sicherheit habe, könne dies auch gegenüber Betroffenen in der Begleitung vermitteln.

Schule

In ihren letzten beiden Vorträgen sprachen sich beide Experten für eine möglichst frühzeitige und offene Auseinandersetzung mit den Themen Sterben und Tod aus. So könne ein verstorbenes Haustier Anlass sein, bewusst mit einem Kind über den Tod zu sprechen, Rituale kennenzulernen und somit erste Erfahrungen im Umgang mit der Thematik zu sammeln.

Marco Koblitz, Oberbrandmeister der Berufsfeuerwehr Erfurt, berichtete abschließend über den Schulbusunfall auf der BAB 4 bei Erfurt. Mit einem durchaus kritischen Blick auf die Ereignisse zeichnete Koblitz den Verlauf ab dem Unfallgeschehen nach und zeigte den Bedarf für die psychosoziale Unterstützung der Betroffenen einmal mehr auf.

Musikalische Unterstützung erfuhr das Symposium durch den Diplom-Religionspädagogen und Musiker Jonathan Leistner, welcher die Abfolge der einzelnen Vorträge wiederholt aufbrach und die zeitweilig emotionale Stimmung der Teilnehmer mit Eigenkompositionen auflockerte.

Alle Vorträge der Referenten sollen ab dem 01.04.2016 auf der Internetseite des Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. zur Verfügung gestellt werden: www.johanniter.de/erzgebirge.

Ein großer Dank für die Organisation dieses spannenden und wichtigen Fachsymposiums gilt dem Johanniter-Kreisvorstand Erik Schreier, Dirk Roscher, Dipl.-Med. Sven Spenke sowie allen Vortragenden und beteiligten Helfern.

Aue-Verabschiedung

10. Regionaltreffen des Fachverbands nkm e.V.

Am 12.03.2016 jährte sich das Regionaltreffen sächsischer Kriseninterventions- und Notfallseelsorgeteams zum 10. Mal. Auch in diesem Jahr lud der Fachverband für Notfallseelsorge und Krisenintervention in Mitteldeutschland e.V. zu interessanten Vorträgen und Workshops nach Dresden ein. Rund 60 Teilnehmer folgten dieser Einladung, darunter 15 Mitglieder unseres Vereins.

Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Dr. Ralph Kipke referierte Prof. Bernd Gasch zum Thema „Betreuung von Gaffern, Zeugen und Ersthelfern“. Dabei sprach er u.a. darüber, was uns als Menschen motiviert, Unfallereignissen zuzuschauen und welche Probleme sich durch Zuschauer bei Notfällen ergeben können. Insbesondere legte er Wert auf die genaue Unterscheidung zwischen Augenzeugen und Zuschauern. Neben zahlreichen Hinweisen zum Umgang mit beiden Personengruppen hinterfragte Prof. Gasch kritisch, wie mit Kindern umzugehen sei, welche ein Unfallgeschehen miterleben würden. Dabei stellte er seinen Zuhörern und sich selbst die Frage: „Mit welchem Bild geht das Kind abends ins Bett? Mit dem Bild des blutenden Verletzen oder des vom Rettungsdienst versorgten Patienten?“, und regte damit zum weiteren Nachdenken zur Thematik an.

Vortrag_Gasch_Regionaltreffen

In den anschließenden Workshops gab es Gelegenheit, den Umgang mit Zuschauern und Ersthelfern weiter zu vertiefen oder sich dem Thema der Einsatznachsorge zu widmen.

Am Nachmittag sprach Polizeioberrat Stefan Dörner über die „Zusammenarbeit mit der Polizei bei Großschadens- und Amoklagen“. Zunächst ging er hierbei auf das Dezentrale Beratungsteam der Polizei ein, welches u.a. zur Aufgabe habe, Belastungen von Polizeibediensteten sowie deren Angehörigen (z.B. nach einer schweren Verletzung im Dienst) zu reduzieren und Mechanismen der Stressbewältigung zu fördern. Das Dezentrale Beratungsteam konzentriere sich vor allem auf die Unterstützung und Beratung interner Kräfte, wodurch es sich von den regionalen Notfallseesorge- und Kriseninterventionsteams abgrenze. Berührungspunkte sah POR Dörner in der sogenannten Taktischen Kommunikation, welche dazu diene, die Kooperationsbereitschaft Betroffener zu erhalten, um das weitere polizeiliche Vorgehen zu unterstützen. Zur Veranschaulichung der Zusammenarbeit berichtete POR Dörner von verschiedenen Einsätzen aus der Vergangenheit, so zum Beispiel über das Busunglück vom 19.07.2014.

Regionaltreffen_Doerner

Die Vorträge beider Referenten werden auf der Internetseite des Fachverbands zur Verfügung gestellt: http://fachverband-nkm.de/vortraege-zum-saechsischen-regionaltreffen/

Wir danken allen Referenten sowie Organisatoren und beteiligten Helfern für dieses interessante und anspruchsvolle Regionaltreffen.

Empfehlung Todesnachricht

Empfehlung – Überbringung einer Todesnachricht

Einleitung

Wir als Verein haben uns entschlossen in gewissen Abständen Empfehlungen für Einsatzkräfte herauszugeben. Diese Empfehlungen berufen sich auf die fachlichen Grundlagen der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) sowie auf die gesammelten Erfahrungen unserer Mitglieder.

Jede Empfehlung wurde im Team erarbeitet und spiegelt die Meinung unseres Vereins zu der Thematik wieder.

Unser Ziel ist es, den Einsatzkräften eine kleine Hilfestellung zu geben, wie sie mit bestimmten schwierigen Situationen umgehen können und wie die Zusammenarbeit zwischen Einsatzkräften sowie Krisenintervention und Notfallseelsorge optimiert werden kann.

Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich hierbei nur um eine Empfehlung handelt.

 

Überbringen einer Todesnachricht – Wann ist KIT und NFS sinnvoll?

In der Regel wird eine Nachricht über unklare oder nichtnatürliche Todesursache durch die Polizei überbracht. Häufig stellt sich für die überbringenden Polizeibeamten die Frage, ob eine Mitnahme von KIT oder NFS sinnvoll sei.

Wir als Verein sprechen uns klar und deutlich dafür aus, dass bei jeder Überbringung einer Todesnachricht die Krisenintervention/Notfallseelsorge hinzugezogen wird. Die Reaktionen der Angehörigen sind im Vorfeld nur schwer abzuschätzen und auch anhand der Meldung ist es nicht möglich, detaillierte Rückschlüsse auf die Beziehung zwischen Verstorbenen und Angehörigen zu ziehen. Hier sollte die Alarmierung lieber einmal mehr als zu wenig erfolgen.

Leider erleben wir es gelegentlich, dass die Polizei erst einmal ohne KIT/NFS zu den Angehörigen fährt und die Todesnachricht überbringt. Eine Begründung, dass zunächst geschaut werden soll, wie die Betroffenen die Nachricht aufnehmen, können wir nachvollziehen. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass im Falle einer Nachalarmierung von KIT/NFS erst verzögert mit einer Intervention unsererseits begonnen werden kann. Dies erschwert einen schnellen und guten Zugang zu den Betroffenen.

Wir als Mitglieder haben rund um die Uhr Bereitschaft und fahren lieber einmal mehr hinaus als zu wenig. Des Weiteren können wir bereits im Vorfeld alle für uns wichtigen Details mit der Polizei besprechen und ggf. organisieren. Hierzu verwenden wir eine Checkliste.

 

Vorbereitung – Überbringung einer Todesnachricht

Kommt es zu einer Anforderung bedarf dies einer guten Vorbereitung (siehe Checkliste). Hier ist es uns wichtig, sich entweder auf dem zuständigen Revier oder etwas abseits der Wohnung zu treffen und gemeinsam abzustimmen. Wir dürfen keine Todesnachrichten mit unklarer oder nicht natürlicher Todesursache überbringen. Dies ist Aufgabe der Polizei.

Wir kommen in der Regel völlig unerwartet zu den Angehörigen, betreten deren Wohnung und übermitteln eine Nachricht, die wohl mit das Schlimmste beinhaltet, was ein Mensch erfahren kann. Wir kommen als Fremde und in dem konkreten Fall ist leider der Polizist, der seiner Pflicht nachkommt, derjenige, der diese schlechte Nachricht überbringen muss. Deshalb sollte derjenige, der die Todesnachricht überbringt, nie derselbe sein, der auch die Betroffenen im Anschluss betreut. Wir sprechen hier von der Schaffung zweier Ebenen – der „negativen“ Person, welche die Nachricht überbringt und der „positiven“ Person, welche sich anschließend um die Betroffenen kümmert.

 

Durchführung – Überbringung Todesnachricht

Häufig stellt sich die Frage, wie eine Todesnachricht richtig überbracht werden kann. Grundsätzlich muss man sagen, dass es kein „Richtig“ gibt. Egal wie man es formuliert, die Nachricht ist immer schrecklich. Dennoch gibt es ein paar kleine Hilfestellungen die beachtet werden sollten.

Nachdem die Identität der Angehörigen geklärt wurde, sollte sich umgehend mit den Betroffenen in die Wohnung begeben werden. In einem geeigneten Raum (Sitzmöglichkeiten) sollte zunächst erfragt werden, ob sich weitere Personen im Haushalt befinden. Dies bezeichnen wir als Setting, welches wir als KIT/ NFS der Polizei anbieten zu übernehmen. Somit kann sich die Person auf das Überbringen der Nachricht konzentrieren. Während des Settings ist es wichtig, den Angehörigen zu vermitteln, dass jetzt gleich eine sehr schlimme Nachricht ausgesprochen wird. In dieser kurzen Zeit versuchen wir einen Rahmen zu schaffen, welcher es den Betroffenen ermöglicht, sich etwas darauf vorzubereiten.

Die Nachricht sollte immer direkt und ohne Umschweife überbracht werden. Es sind Worte, die sich einprägen und das Wort Tod sollte vorkommen. Es sollten keine Formulierungen benutzen werden, welche Spielraum lassen, wie zum Beispiel: „Ihr Sohn hatte einen schweren Unfall.“.

Nur wenn die Nachricht direkt und persönlich überbracht wird, haben die Betroffenen unmittelbar die Möglichkeit, sich damit auseinanderzusetzen und es realisieren zu können.

 

Aufgabe nach der Überbringung – Reaktionen

Nachdem die Todesnachricht überbracht wurde folgen die unterschiedlichsten Reaktionen von Betroffenen. Zum Beispiel: Lautes Schreien, Weinen bis hin zu völliger Stille und Fassungslosigkeit, nicht wahrhaben wollen, zu schnelles Atmen.

Gelegentlich tritt nach dem Überbringen einer Todesnachricht Stille ein, der Betroffene sagt nichts und wirkt relativ gefasst. Häufig passiert es, dass dies seitens der Einsatzkräfte so interpretiert wird, als ob die Person mit der Situation relativ gut zurechkommt. Dem ist in der Regel leider nicht so. Häufig liegt die Ursache darin, dass die Betroffenen die Situation noch nicht ausreichend realisiert haben und sich entsprechend vor der Wahrheit schützen wollen.

Jede Reaktion auf solch eine Nachricht ist individuell. Der Angehörige hat das Recht, seine Art der Trauer, seine Art des Verhaltens auf diese schlimme Nachricht zu äußern. Jeder Mensch ist in solchen Situationen anders und diese Reaktionen können in der Regel nicht kontrolliert werden. Wir sprechen hier von normalen Reaktionen auf ein unnormales Ereignis. In solch einer Situation kann niemand etwas tun, damit diese Reaktionen nicht auftreten oder gelindert werden. Hier heißt die Devise abwarten, akzeptieren und die Emotionen aushalten.

Manchmal kommt es vor, dass aufgrund der heftigen Reaktionen ein Notarzt alarmiert wird. Ist dieser nach 10-15 Minuten eingetroffen, hat sich der Betroffene meistens schon wieder etwas beruhigt. Deswegen raten wir davon ab, voreilig notfallmedizinische Hilfe anzufordern. Problematisch sind Reaktionen, bei denen sich der Betroffene selbst oder andere gefährdet. Hier muss eingeschritten werden. Sollte es zu massiven Kreislauf-problemen kommen ist ein Notarzt zu alarmieren. Wir empfehlen, nach dem Überbringen einer Todesnachricht mindestens 30 Minuten zu warten. Sollte sich der Betroffene trotz fachlicher Betreuung in dieser Zeit nicht stabilisiert haben, ist es indiziert, Unterstützung zu holen. Wie diese aussieht ist immer individuell. Wichtig ist, dass der Betroffene nicht allein gelassen wird.

Unsere Aufgabe besteht darin, den Betroffenen eine Unterstützung anzubieten und unser erlerntes Wissen anzuwenden. Hier ist es aber eine Illusion zu denken, dass wir in der Lage sind, die Situation weniger schlimm zu machen oder dass die Reaktion der Betroffenen auf die Nachricht weniger „schlimm“ ausfällt. Wir sind in dem Moment als Mensch und fachliche Unterstützung für die Menschen in der schwierigen Situation da.

 

Umgang mit Kindern

Bei jeder Überbringung einer Todesnachricht sollte sich im Vorfeld vergewissert werden, ob sich weitere Personen im Haushalt befinden. Ein besonderes Augenmerk sollte hier bei den Kindern liegen.

Es gibt kein Patentrezept dafür wann es sinnvoll ist, Kinder oder Jugendliche in das Überbringen zu integrieren. Diese Entscheidung muss immer individuell erfolgen. Das bedeutet, dass beurteilt werden muss, unter welchen Umständen der Verstorbene ums Leben gekommen ist und ob es „zumutbar“ ist, dem Kind/Jugendlichen dies direkt mit-zuteilen.

Eine Empfehlung besagt, dass Kinder bis 14 Jahre beim offiziellen Überbringen einer Todesnachricht nicht dabei sein sollten. Zum einen kann so offen und ehrlich über die Umstände gesprochen werden. Zum anderen können die Eltern des Kindes so akut ihrer Trauer freien Lauf lassen und müssen diese aufgrund der Anwesenheit eines Kindes nicht primär unterdrücken.

Bei Kindern über 14 Jahre sollte also individuell entschieden werden, ob es sinnvoll ist, diese direkt einzubeziehen.

Sind Kinder im Haus sollte eine Person die direkte Betreuung der Kinder übernehmen, bis die Eltern in der Lage sind, ihren Kindern die Umstände mitzuteilen.

 

Abschluss

Wir hoffen, mit dieser Empfehlung eine kleine Hilfestellung geben zu können und stehen gern für weiteren Austausch zu Verfügung.

Sie erreichen uns unter kontakt@kit-dresden.de.

Diese Empfehlung zum Download finden Sie hier: Empfehlung.

Positiver Trend in der Mitgliederentwicklung

Unser ehrenamtlicher Verein besteht seit nunmehr 12 Jahren und leistet rund um die Uhr psychosoziale Notfallversorgung in der Stadt Dresden.

Menschen zu finden, welche sich für diese anspruchsvolle Tätigkeit ehrenamtlich engagieren möchten, ist nicht immer leicht. Umso erfreulicher ist es, dass wir im vergangenen Jahr so viele Mitglieder wie noch nie in die Ausbildung zum Kriseninterventionsberater schicken konnten! Insgesamt konnten 10 Mitglieder die Ausbildung erfolgreich abschließen. Teils unterstützen sie uns bereits im aktiven Einsatzdienst, teils absolvieren sie die noch notwendigen Hospitationseinsätze.

Aktuell umfasst unser Verein 56 Mitglieder, wovon 36 bereits die Ausbildung zum Kriseninterventionsberater absolviert haben. Insgesamt 19 Mitglieder können derzeit regelmäßig zu Einsätzen gerufen werden. Die übrigen Mitglieder befinden sich in ihrer praktischen Hospitationsphase oder pausieren.

Auch in diesem Jahr zeigt der Trend ganz deutlich in eine positive Richtung, so können wir im Frühjahr weitere 8 neue Mitglieder zur Ausbildung entsenden.

Zusätzlich befinden sich in unserem Verein auch Menschen, welche uns als Fördermitglieder unterstützen. Eine Übersicht über die verschiedenen Mitgliedsarten finden Sie hier.

Hier unsere „frisch“ Ausgebildeten Mitglieder aus dem letzten Jahr:

 

KITkomplett

Gedanken zum Umgang durch die Presse mit den ...

In der Regel äußern wir uns nicht im Detail zu unseren bisherigen Einsätzen, oder lassen die Öffentlichkeit an unserer Meinung teilhaben.

Doch leider wirft der Einsatz im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Istanbul neben seiner Tragik noch ein zusätzlichen negativen Schatten voraus. Der Umgang der Medien mit den Angehörigen der Opfer.

Wir weisen darauf hin, dass die Angehörigen über dieses Schreiben informiert wurden und ihre Zustimmung einer Veröffentlichung erteilten. Wir können uns auch nur über die Vorfälle hier in Dresden urteilen.

Mein Name ist Tom Gehre, ich bin Vorsitzender des Vereins Krisenintervention und Notfallseelsorge Dresden e.V.. Seit 7 Jahren bin ich in diesem Bereich tätig, habe unzählige Einsätze absolviert, auch Einsätze die von einem scheinbar „hohem Öffentlichen Interesse“ waren.

Als eine Kollegin und ich den Einsatzauftrag in der Nacht 12/13.01.2016 zum Überbringen der Todesnachricht gemeinsam mit der Polizei an die Angehörigen erhielten und durchführten, klärten wir in der Krisenintervention die Angehörigen u.a. darüber auf wie mit der Presse umgegangen werden sollte, und was auf sie zukommen könnte.

Doch was die nächsten 2 Tage passierte hatten wir in dieser Form noch nie erlebt.

Es wurden von mehreren lokalen, überregionalen und internationalen Medien versucht mit den Angehörigen Kontakt aufzunehmen, von Telefonanrufen bis Klingeln an der Haustür, oder bei Nachbarn und deren Befragung. Es wurden Fotos von dem Haus der Betroffenen geschossen. Des Weiteren wurden Angehörige bedrängt über den Anschlag zu sprechen und Auskunft zu geben. Es wurden Worte, die gesagt wurden falsch dargestellt und die Hilflosigkeit der Angehörigen schamlos ausgenutzt um den an Sinnlosigkeit kaum zu überbietenden Terrorakt gegenüber Menschen noch mehr sinnlose Artikel zu schreiben. Meiner Meinung nach werden deutliche Grenzen überschritten, und dies hat nichts mehr mit seriösen und ethischen Journalismus zu tun hat. Hier besteht auch kein „öffentliches Interesse“ mehr.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat über dieses Ereignis Informiert zu werden. Das betrifft aber meiner Meinung nach das Ereignis an sich, und nicht die Privatsphäre der Angehörigen. Worin besteht der Sinn einen Eingang mit Hausnummer von Angehörigen in einer Zeitung abzulichten? Worin besteht der Sinn die Privaten Familiären Umstände zu kennen?

Der Sinn ist für mich persönlich nicht erkennbar. Erkennbar ist für mich ganz deutlich, wie sehr die Angehörigen leiden, wie sie versuchen die Tage zu überstehen und irgendwie das Unfassbare zu realisieren. Sie wollen selbst entscheiden wie sie mit ihrer Hilflosigkeit und Trauer umgehen, und plötzlich wird ihr einziger privater Rückzugsort, ihre Wohnung durch ständige Anrufe, Klingeln oder Fragen an der Tür öffentlich.

Ich weiß nicht ob es wirklich sein muss das für diesen Preis die Rücksicht gegenüber Angehörigen nach Todesfällen so wenig Beachtung findet. Ich bin mir im Klaren darüber, dass auch Vertreter von der Presse ihren Beruf ausüben müssen, dass sie ihr Geld dadurch verdienen aber wird hier nicht eine Grenze überschritten wenn man Anfragt und ein Nein seitens der Angehörigen nicht akzeptiert? Wenn trotz eines Neins versucht wird die Angehörigen zu Fragen und auf ein Interview gedrängt wird? Wenn trotz eines Neins einfach in die Wohnung gegangen wird, nachdem ein Angehöriger fast zusammenbricht, weil an der Haustür auf ihn eingeredet wurde?

Mich macht dies unheimlich traurig und wütend zugleich! Ich dachte wir wären alle Menschen mit Herz und Verstand, doch scheinbar habe ich mich diesbezüglich getäuscht. Ich dachte es gibt Ethische Grenzen die eingehalten werden.

Ich will einfach nicht verstehen, dass scheinbar kaum Empathie herrscht, die Vorstellung wie sich Angehörige wohl fühlen mögen wenn plötzlich auf der Titelseite Bilder von ihren Verstorbenen auftauchen oder ihr Privates Haus abgelichtet wurde. Es macht sie wütend, sie haben Angst und das obwohl sie doch schon so viel Wut für das Ereignis empfinden.

Mir ist bewusst, dass dieses Schreiben leider an der Situation nichts mehr ändert, und auch in Zukunft nichts ändern wird. Aber ich persönlich sehe mich in der Pflicht auf solche schweren Missstände hinzuweisen, darauf Aufmerksam zu machen und vielleicht erreicht es doch den ein oder anderen, der sein Verhalten überdenkt oder das nächste Mal anders handelt.

Tom Gehre

Vorsitzender

Krisenintervention und Notfallseelsorge Dresden e.V.

Spendenkonto

Krisenintervention und Notfallseelsorge Dresden e.V.

Kontonummer: 3120041059
IBAN: DE88 8505 0300 3120 0410 59
BLZ: 850 503 00
BIC: OSDDDE81 XXX
Bank: Ostsächsische Sparkasse

Suche